Die Jagd

Die Parforceheide und der Stern

Die Umgebung Potsdams wurde von den Hohenzollern seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts als Jagdgebiet genutzt.

Im 16. und 17. Jahrhundert, insbesondere durch die Vorbildwirkung des Lebens am Hofe Ludwigs XIV., verbreitete sich das Parforcejagen und wurde zur Leidenschaft bei den europäischen Fürsten, so auch bei Friedrich Wilhelm I.

Die vorhandenen Jagdanlagen aus der Zeit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm und seines Nachfolgers König Friedrich I. erfüllten jedoch nicht die Bedingungen für die Parforcejagd.

Der Stern bei Potsdam, Ausschnitt aus “Plan von der Gegend um Potsdam“, 1786 (Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg)

König Friedrich Wilhelm I. entschloss sich daher, neue Tiergärten für die Parforcejagd anzulegen, einen zu Potsdam und den anderen zu Wusterhausen. Zwischen den Dörfern Neuendorf, Stolpe, Drewitz und Gütergotz (Güterfelde) entstand 1726-1728 etwa 6,5 km vom Potsdamer Stadtschloss entfernt ein neues Jagdgebiet.  In den Wald wurden ursprünglich 16 Schneisen (Gestelle) geschlagen, die sternförmig zum Mittelpunkt der Jagdanlage führten. Der Wegestern diente der leichteren Orientierung nach der Jagd und ermöglichte auch ein Absperren von querenden Wildwechseln mit Hilfe von Tüchern oder Jagdlappen, um so das Jagdgebiet einzugrenzen. Mit dem 1730-32 errichteten Jagdschloss Stern und dem dazu gehörenden Gebäudeensemble wurde hier eine auch heute noch im Landschaftsbild gut erkennbare barocke Jagdanlage geschaffen.    

Nach dem Tod Friedrich Wilhelms I. im Jahr 1740 kam die Parforcejagd zum Erliegen bis Prinz Carl von Preußen (1801-1883) diese nun im englischen Stil ausgeübte Jagdform wiederbelebte.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Parforceheide durch Baumaßnahmen (Teltowkanal, Bahnstrecken, Autobahn, Straßen) beschnitten. Schließlich wurden die Wohngebiete Stern, Drewitz und Kirchsteigfeld direkt in die Parforceheide hineingebaut. Die historischen Wege und Schneisen wurden dabei leider weitgehend ignoriert.